Wissenschaftsfreiheit braucht Infrastruktur: ZB MED ist „Bibliothek des Jahres 2026“
Grußworte aus Stadt, Land und Universität
Rund 150 Gäste waren der Einladung zur Preisverleihung am frühen Nachmittag des 29. Oktober gefolgt. Franziska Fischer, Kaufmännische Geschäftsführerin von ZB MED, begrüßte die Anwesenden. Durch den Festakt führte die Moderatorin Ninia LaGrande, die auch einen eigens zu diesem Anlass verfassten Poetry Slam vortrug. Darin bezeichnete sie „Bibliotheken als den Robin Hood der modernen Medienlandschaft“. Den musikalischen Rahmen gestaltete der Jazzchor der Universität zu Köln. Sein Auftritt gab dem Festakt einen leichtfüßigen Rahmen – und das Publikum dankte es dem Chor mit anhaltendem Applaus.
Grußworte sprachen Bürgermeisterin Derya Karadag, erste Stellvertreterin des Oberbürgermeisters der Stadt Köln, Prof. Dr. Andrea Kienle, Leiterin der Abteilung Forschung im Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, und Prof. Dr. Carien Niessen, Prorektorin für Forschung der Universität zu Köln.
Podium: Braucht Wissenschaft heute noch Bibliotheken?
Vor der Preisverleihung diskutierte ein Podium, was wissenschaftliche Bibliotheken für Forschung und Gesellschaft leisten. Unter der Moderation der dbv-Bundesvorsitzenden Antje Theise stellten sich Prof. Dr. Axel Kramer (GMS Hygiene and Infection Control / Universitätsmedizin Greifswald), Prof. Dr. Juliane Fluck, stellvertretende Wissenschaftliche Leiterin, und Dr. Miriam Albers, kommissarische Bibliotheksleiterin von ZB MED, der bewusst zugespitzten Frage: Braucht Wissenschaft heute überhaupt noch Bibliotheken?
Das Podium war sich einig: Gerade weil Informationen heute scheinbar überall verfügbar sind und die KI scheinbar auf alles eine Antwort hat, braucht es Orte, die für verlässliches, überprüfbares Wissen und unabhängigen, freien Zugang einstehen. Wissenschaftliche Bibliotheken sind diese Orte. Sie bieten Literatur, Forschungsdaten und Software und forschen gemeinsam mit der Wissenschaft.
Laudatio: „Heute kann die Information zum Menschen kommen“
In seiner Laudatio beschrieb Dr. Heinz-Wilhelm Esser, besser bekannt als Doc Esser aus dem Gesundheitsformat des WDR, ZB MED als „digitale Informationsinfrastruktur für die Lebenswissenschaften“. Medizinisches Wissen verändere sich so schnell, dass niemand es mehr im Kopf behalten könne; entscheidend seien deshalb das Finden des richtigen Wissens, Vertrauen in Daten und Literatur sowie der dauerhafte Zugriff. Er stellte fest: „Früher musste der Mensch zur Information kommen. Heute muss die Information zum Menschen kommen.“
ZB MED habe nicht versucht, „die Bibliothek von gestern irgendwie in die digitale Welt hinüberzuretten“, so Esser, sondern habe neu gedacht, was eine Bibliothek im 21. Jahrhundert leisten muss. Als Beispiele nannte er die Suchmaschine LIVIVO, das Engagement im Forschungsdatenmanagement und in der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI). Außerdem setze sich ZB MED bereits seit 2003 – unter anderem mit dem Portal German Medical Science – für Open Access ein. Mit Blick auf digitale Souveränität verwies er auf OLSPub, eine offene Ergänzung bestehender Publikations- und Recherche-Infrastrukturen. Er betonte, dass Internationalität am besten auf Augenhöhe funktioniere.
Preisverleihung und Dank
Dr. Frank Mentrup, Präsident des dbv, Oberbürgermeister der Stadt Karlsruhe und ebenfalls Mediziner, überreichte den Preis. Die Jury würdigt damit vor allem das Engagement von ZB MED für Open Science und digitale Souveränität in der Informationsversorgung sowie die Pionierrolle im Forschungsdatenmanagement, unter anderem in den Netzwerken der NFDI.
Prof. Dr. Dietrich Rebholz-Schuhmann, Wissenschaftlicher Direktor von ZB MED, dankte zum Abschluss der offiziellen Feier dem dbv und dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW. Sein besonderer Dank galt den Mitarbeitenden von ZB MED, die den Wandel und die digitale Transformation des Hauses tragen und mit ihrem Engagement die Werte der offenen Wissenschaft in der Medizin stärken.
Mit einem informellen Get-together, bei dem sich Gäste und Team austauschten, klang der Nachmittag aus.
Weitere Informationen:
- Bilder und Pressematerial zum Download
- Reaktionen auf die Preisverleihung im Video
- Pressemitteilung des dbv